Nathan der Weise - Mannheimer Neuinszenierung 2017



Besprechung in der Wormser Zeitung.
Mannheimer Morgen.
Bericht "Animus Klub" mit vielen Fotos.
Dokumentation und Neues auf der Webseite der Internationalen Freien Theatergruppe Unser Theater.

Wussten Sie, dass "Nathan der Weise" 1779 in Mannheim inoffiziell uraufgeführt wurde?

"UnserTheaTer" zeigt Lessings berühmten Klassiker in einem neuen Gewand. Die Philosophie "Alle anders - Alle gleich" spiegelt sich in diesem Stück in besonderem Maße wider. Zudem spannt der Weltchor den Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hierfür wurden Filmszenen gedreht, die während der Aufführung eingespielt werden.

"UnserTheaTer" besteht aus Menschen internationaler Herkunft. Sie leben in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar.

Aufklärung - ein Fest! Lassen Sie sich inspirieren und von der "UnserTheaTer"-Lebenslust anstecken.

Regie und Gesamtleitung: Limeik Topchi
Assistenz: Annette Hammerstein
Neue Bühnenfassung: Klaus Servene in Zusammenarbeit mit Limeik Topchi
Bühnenbild: Prof. Dr. Spartak Paskalevski
Kostüme: Dzevada Christ
Videoproduktionen: Tatiana und Artem Gratchev
Fotos: Tatiana Gratchev
Musik-Collage/Licht: Artem Gratchev
Technische Hilfe: Gerhard Müller

Ensemble: Brigitta Martin (Sultan Saladin), Larissa Fritsch (Sittah), Monika Loser (Nathan), Betül-Bengü Soyupak (Recha), Annette Hammerstein (Daja), Leo Kawe (Tempelherr), Beate Gerbil und Sharif Tavakuli (Derwisch), Dirk Mühlbach (Patriarch), Klaus Becker (Klosterbruder), Mariana Arnaudova (tote Ehefrau Nathans);

sowie für Filmeinspieler eines "Weltchors" zusätzlich viele andere mehr: Esther Reche Callardo, Hasan Yurt, Murat Görgülü, Filiz Lunkaya, Ali Elfeky, Nino Janiashvili, Helmut Schäfer, Mesude Schmidt, Sümmeya Ugurlu, Reggy Nur, Ali Yurt, Ulla Zellmann-Seyfferth, Margarita Zarkova, Burak Görgülü, Daniela Cohrs, Aleksandra Burger, Arman Colon-Flores, Mathias Wendel, Ebru Ramisova, Matthias Boeker, Alisia Uzunova, Theodor Burger, Sara Baraiac.

Uraufführung bzw. Premiere am 18. März 2017 im Theatersaal der Abendakademie Mannheim (im Rahmen der UN-Wochen gegen Rassismus) - ausverkauft.
25. März 19.00 Uhr: Lincoln-Theater Worms.
7. April 19.00 Uhr: Kulturkirche Epiphanias Mannheim.
29. April 19.00 Uhr: Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim.

Der Kurzfilm - Der Patriarch kommt und urteilt (Videoproduktion - Tatiana und Artem Gratchev) - ist ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Youtube-Trailer Hier.

Drehbuch und Regie: Klaus Servene.
Mit:
Dirk Mühlbach als Patriarch,
Matthias Boeker (aka Beaker Pox),
Mathias Wendel.

Gesamtverantwortung für die Theater-Projekte "Nathan der Weise" und "Flirt mit dem Tod", Kontakt und Leitung Ensemble "Unser Theater":
Limeik Topchi, Schauspieler & Regisseur
E-Mail: info@unser-theater.com
(c) Beide Bühnentexte: Klaus Servene, Mannheim



„Nathan der Weise“ als öffentlicher Selbstverteidigungskurs gegen den umgreifenden Inhumanismus - Zur Entstehung der „Mannheimer Neuinszenierung“

Als ich den Schauspieler, Regisseur und Schauspieldozenten Limeik Topchi kennenlernte, bei einem „Internationalen Suppenfest“ in der „Begegnungsstätte Westliche Unterstadt“, ahnte ich nicht, dass ich mein geplantes (und inzwischen wieder vergessenes) „Kürzertreten“ als Autor und Herausgeber (von rund 60 Büchern) erneut würde verschieben müssen. 2015 probte er mit Engagement und Enthusiasmus für „Heymes Sturm“ und wir trafen uns im Café der Abendakademie, wo er mir seine bereits sehr detaillierten Ideen zum Stück „Flirt mit dem Tod“ so eindrücklich schilderte, dass ich sofort begann, den Theatertext niederzuschreiben. Der Faszination des Themas sind glücklicherweise nicht nur Topchi und ich erlegen, sondern bereits im Jahr darauf auch die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer im gleich zwei Mal hintereinander ausverkauften Capitol-Casablanca: ein „Mannheimer Jedermann“ (Presse) war geboren – aber Topchi hatte bereits vor der Premiere darauf insistiert, ein weit größeres Projekt mit über dreißig Beteiligten in Angriff zu nehmen: Nathan der Weise.

Zu Lessings Zeiten wie heute prallen weltweit religiöse Weltbilder aufeinander, wird Religion zu einem politischen Werkzeug zur Durchsetzung von Machtinteressen. Hass wurde und wird erzeugt, Hass auf die „Anderen“, er entlädt sich in alltäglichem Terror und in exzessiver Gewalt.

Und darum hat auf Topchis Anregung „Unser Theater“ (zunächst in Form meiner Textarbeit), 15 Jahre nach 9/11, der Seele von Lessings Lehrstück nachgespürt, jenes „materialistischen Aufklärers“ (Fritz J. Raddatz). Im vollen Bewusstsein darüber, dass es sich hier um eines der bedeutendsten Theaterstücke in deutscher Sprache handelt. Welches übrigens noch zu seinen Lebzeiten zum ersten Mal in Mannheim (nichtöffentlich) aufgeführt wurde; und zwar offenbar zwischen dem Termin der Erstveröffentlichung des Nathan zur Leipziger Ostermesse 1779 und dem 15. Oktober 1779. Letztes Datum trägt ein Brief aus Mannheim, als Quelle zitiert im "Theaterkalender auf das Jahr 1781, Gotha". (Den Fakten von "wesentlicher Relevanz" nicht nur für die Mannheimer Theatergeschichte ist dankenswerter Weise Frau Liselotte Homering vom REM "auf der Spur" ...)

Zu Ostern 2016 entstand eine erste Fassung, welcher in engster Zusammenarbeit mit Topchi und in der Folge mit seinem Ensemble weitere Fassungen folgten. Galt es doch, das Stück zu kürzen und auf Wunsch des Regisseurs um meine eigene Lyrik anzureichern; dies nicht im Sinn einer mutwilligen Collage, sondern eines Herausarbeitens von Lessings Intention. So gehören Filmeinspielungen eines „Weltchors“ zu dieser Inszenierung. Ebenfalls fester Bestandteil der Neufassung ist eine filmische Einspielung der Patriarchenszene. Dadurch wird über das persönliche Schicksal eines Schauspielers hinaus eine allgemeine menschliche Tragik auf den Punkt gebracht: Der Mannheimer Schauspieler Dirk Mühlbach spielt den „herzlosen“ Patriarchen. Seit dem 18. September 2014 kann er seinem Schauspielerberuf nicht mehr nachgehen. Seitdem steht er nämlich auf der Warteliste der Heidelberger Herzchirurgie und wartet auf ein Spenderherz. Seit dem 18. September 2014 hängt sein Leben an einem sogenannten Kunstherzsystem.

Auch wird Nathans Ehefrau und seinen toten Söhnen eine gewichtigere Rolle gegeben, die Schlüsselszene ist eher ein Auftritt Nathans und des Klosterbruders als die bekanntere Ringparabelszene ...

Antworten und Fragen wurden gefunden, die helfen können, unsere Gegenwart besser zu verstehen und gerade hier und jetzt eine klare Haltung zu zeigen. Die Einzigartigkeit des „dramatischen Poems“ aus einer längst vergangenen Zeit soll aufgefrischt werden. Im Sinne Lessings wird „der ganzen Welt“ gezeigt, dass zur Brechung jedweder Gewaltunkultur Verständigung und Verstehen, Toleranz, ja Duldsamkeit erforderlich sind. Ihr Scheitern würde ein Versinken ins Chaos und in die Barbarei bedeuten.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, dieser Kant-Spruch gilt heute mehr denn je.

Februar 2017, Klaus Servene, Autor & Herausgeber

Wolfgang Heribert von Dalberg und Lessings Nathan der Weise

Kurze Anmerkungen zu einem kaum bekannten Theaterskandal aus der Anfangszeit des Mannheimer Nationaltheaters

© Liselotte Homering, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Abteilung Theater- und Literaturgeschichte

Für Klaus Servene

Im Internet ist an manchen Stellen die Rede davon, Gotthold Ephraim Lessings „Dramatisches Gedicht“ Nathan der Weise, 1779 im Druck erschienen, sei in Mannheim am 15. Oktober 1779 uraufgeführt worden, und zwar durch eine semiprofessionelle Theatertruppe. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, zumindest, was das Aufführungsdatum betrifft. Aber dieses ist entscheidend.

Im Verlauf der intensiven Vorbereitung für einen Vortrag über den Intendanten des Mannheimer Theaters von 1778 bis 1803, Wolfgang Heribert von Dalberg (1750-1806), hat sich folgender und bisher wenig beachteter Sachverhalt ergeben. Bekanntlich musste Kurfürst Carl Theodor (1724-1799) aufgrund der wittelsbachischen Hausverträge infolge des plötzlichen Todes des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph, 1777/1778 die Regentschaft übernehmen und seine Residenz nach München verlegen. Dies hatte den Umzug fast des gesamten Hofstaats im Herbst 1778 nach München zur Folge. Damit ging Mannheim beinahe aller seiner weithin berühmten wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und des jeweils dazu gehörigen Personals verlustig (besonders betroffen waren im künstlerischen Bereich die Hofmusik, die Hofoper und das 1777 gegründete deutschsprachige Theater in B 3, das Nationaltheater).

In dieser für die Stadt hochprekären Zeit setzte sich besonders für den Erhalt wenigstens des Nationaltheaters und das Engagement eines neuen Ensembles der junge Wolfgang Heribert von Dalberg mit überzeugender Vehemenz beim Kurfürsten ein. Dieser berief ihn zum Intendanten und beauftragte ihn mit der Fortführung des deutschsprachigen Schauspiels in Mannheim.

Aufgrund mancher positiver Umstände hatte Dalberg bald ein sehr gutes und überwiegend junges Ensemble zusammenengagiert mit den (angehenden) Stars Johann Michael Böck, August Wilhelm Iffland, Esther Charlotte Brandes und vielen anderen. So überraschte es auch nicht, dass der äußerst ambitionierte, eben mal 28 Jahre zählende Intendant, für die geplante Wiedereröffnung der Bühne im Herbst 1779 einen Auftakt nach Maß hinzulegen beabsichtigte. Dafür wandte er sich zunächst über seinen berühmten und kulturaffinen Bruder, den geistlichen Staatsmann Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) in Erfurt, der ausgezeichnete Beziehungen zum Weimarer Hof unterhielt, an Johann Wolfgang von Goethe. In einem Brief bat Dalberg darum, dessen gerade in privater Gesellschaft erstmals aufgeführtes und noch ungedrucktes Drama Iphigenie auf Tauris als erster zur öffentlichen Aufführung zu erhalten.

Allerdings gab ihm Goethe einen Korb, weil er das Stück prinzipiell noch nicht für aufführbar hielt. Also scheint die Suche weitergegangen zu sein, und nun kommt Lessings Nathan der Weise ins Spiel: Dalberg konnte sich auf einen ausgezeichneten und erfahrenen Berater in Gotha verlassen, den Schriftsteller, Theaterkenner und –autor Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797), mit dem er schriftlichen, aber offenbar auch persönlichen Austausch pflegte. Es ist möglich, dass dieser dem frisch gebackenen Intendanten vorschlug, sein Theater mit der Uraufführung von Lessings zwar 1779 veröffentlichten, aber noch an keinem Theater gespielten Nathan zu eröffnen. Dies hätte das Mannheimer Theater schon zweieinhalb Jahre vor der spektakulären Schiller’schen Räuber-Uraufführung (1782) auf einen Schlag in aller Munde sein lassen.

Es ist ein wenig spekulativ anzunehmen, dass Lessing sein Einverständnis gegeben haben muss, das Stück zunächst (versuchsweise?) im Rahmen einer privaten Gesellschaft in Mannheim aufführen zu lassen.

In dieser trafen sich professionelle Schauspieler, möglicherweise aus dem neu engagierten Ensemble, sowie Laiendarsteller, zu denen auch Wolfgang Heribert von Dalberg und dessen Frau Elisabeth Augusta zählten.

Diese inoffizielle Aufführung hat mit Sicherheit zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als das neue Haus noch nicht eröffnet war. Aus einem Brief von Friedrich Wilhelm Gotter wissen wir, dass sich offensichtlich die „Geistlichkeit“ (er schreibt die „Schwarzröcke“) gegen eine offizielle Aufführung dieses dem Humanismus, aufklärerischer Toleranz und Religionsfreiheit verpflichteten Stückes ausgesprochen haben muss.

Dass Lessing einen Juden zum positiven Helden seines Stückes gemachte hatte, mag die „Schwarzröcke“ zusätzlich aufgebracht haben. Dalberg fügte sich dem Verdikt offensichtlich, wofür Gotter ihn aus Gotha unmissverständlich rügte.

Vermutlich war durch die vergebliche Suche nach einem bedeutenden Eröffnungsstück allzu viel Zeit vergangen. Und so wurde das neue Nationaltheater weder mit Goethes Iphigenie, noch mit Lessings Nathan, eröffnet, sondern am 7. Oktober 1779 mit einem bekannten Stück, das wohl die meisten der Schauspieler/innen schlichtweg „drauf“ hatten, mit Johann Christian Bocks Lustspiel nach Carlo Goldoni Geschwind, ehe es jemand erfährt oder Der besondere Zufall.

Der Eindruck entsteht, dass Dalberg sich unter erheblichen Erfolgsdruck gesetzt hatte. Schließlich musste er unter Beweis stellen, dass die Entscheidung des Kurfürsten für den Erhalt des Mannheimer Theaters gerechtfertigt war. So überrascht es kaum noch, dass der Intendant die nächste sich bietende Gelegenheit beim Schopf packt, um den Theatercoup seines Lebens in Szene zu setzen Um jeden Preis zieht er 1782 die Uraufführung von Friedrich Schillers verwegenem Bühnenerstling Die Räuber durch und macht mit einem Schlag das Mannheimer Nationaltheater zu einer der berühmtesten Bühnen Deutschlands, die fortan durch nichts mehr wegzudiskutieren ist. Dalberg selbst schreibt damit internationale Theatergeschichte. Und Mannheim erhält mit Friedrich Schiller seinen ersten fest vertraglich engagierten Theaterdichter.

Die offizielle Uraufführung von Nathan der Weise fand am 14. April 1783 durch die Döbbelinsche Truppe im Theater an der Behrensstraße in Berlin statt. Weder Goethes Iphigenie noch Lessings Nathan der Weise erblickten noch während Dalbergs Intendanz das Licht der Mannheimer Bühne.

Der erwähnte Vortrag über Wolfgang Heribert von Dalberg, der zum Teil weitere neue Erkenntnisse enthält, wird mit allen wissenschaftlichen Nachweisen in der Abschlusspublikation zur Tagung „Carl von Dalberg (1744-1817) und sein Umfeld“, die vom 10. bis 12. Februar 2017 in Aschaffenburg stattgefunden hat, im Spätherbst dieses Jahres erscheinen.

Mannheim, 19. März 2017 Home

"Der Duft des Schlagstocks" - Roman von Julia Richter

Im Dezember 2016 bei andiamo neu erschienen:

Julia Richter: Der Duft des Schlagstocks, Roman, 176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 19.80 €, ISBN: 978-3-936625-82-0

Das Buch ist auch in kroatischer Sprache erhältlich!

Bestellen bei Buchhandel.de

Nicht mal sechs ist das Mädchen, als ihre Mutter von Jugoslawien nach Deutschland auswandert. Sie bleibt mit dem Vater allein zurück, wird früh zu den notwendigen Arbeiten auf dem Hof herangezogen. Trotz vieler Glücksmomente verläuft diese Kindheit alles andere als „normal“, das Mädchen ist einsam, der Vater schlägt sie, die Mutter hat in der Familie ein großes Loch hinterlassen ...

„Da sich alles im Leben um das Papier zu drehen scheint, habe auch ich diese meine Geschichte vom Herzen auf Papier übertragen. Alles, was mir weh tut, übertrage ich auf Papier. Wenn es dieses Papier nicht gäbe, wüsste ich nicht einmal, dass ich zwei Schwestern und einen Bruder habe“, schreibt die Autorin und widmet ihren Roman „den Opfern häuslicher Gewalt und den an der Arbeitsmigration zerbrochenen Familien.“

Die wahrhaftige Erzählung einer ergreifenden und spannenden Identitätsfindung.

Julia Richter ist Unternehmerin und Buchautorin. Geboren in Jugoslawien, übersiedelte sie 1989 nach Deutschland. Sie lebt seit 1992 in Mannheim.